Stil – nicht Schtiel!

Ich postete letztens über Eleganz (9.Juni – Eleganz, meine Damen, Eleganz!) Schon in diesem Post bemängelte ich die verfallene Stilkultur.

Gestern Abend schaute ich eine aufgenommene Sendung über den Jetset der 60-er Jahre. Nur um nicht missverstanden zu werden: Ich bewundere keineswegs unkritisch das ausschweifende Leben von Playboys. Ich würde zwar lügen, stritte ich ab, Geld zu besitzen und es ausgeben zu können, sei kein Vergnügen. Verschwenderisches Protzen liegt lediglich nicht in meiner Natur.

Was mich aber beeindruckte, war der Stil, mit der diese Menschen – reiche Söhnchen, Prinzessinnen und Selfmade-Kerle – Champagner verspritzten. Nicht im Stil heutiger neureicher Bürschchen, die Papas Ferrari fahren, Muttis Platinkreditkarte spazieren führen und den Champagner nur deshalb verspritzen, weil sie es können. Nicht im Stil silikonbeschwerter Models, die auf der Suche nach spendablen Herren sind, aber nur solange erfolgreich bleiben, wie sie sich nicht an gehobener Konversation versuchen.

Ich spreche von richtigem, von altem Stil. Von Noblesse, gestärkten Krägen und messerscharfen Hosenfalten, von der Kunst der Konversation und der Kunst, rauschende Parties zu feiern, ohne dabei allzu lächerlich zu wirken.

Ich meine aber auch den klassischen Stil des Dialogs, des Monologs, der Schreibkunst. Verglichen mit dem Content (28. Juli – mehr Content) heutiger SMS eine wahre Fundgrube schriftlicher Eleganz.

Ich gebe zu, ich schwelgte in romantischen Erinnerungen, die wohlmöglich gar nicht so prickelnd waren. Doch gehe ich heute auf die Straße, sehe ich adilettenbewehrte Füße, Kopfschmerzen verursachende Mustermixe und lausche Gesprächen, die als solche nicht mehr zu erkennen sind.

In solchen Momenten frage ich mich, in welche Richtung unsere Gesellschaft sich bewegt und ob mir das gefällt.

Es grüßt Euch herzlichst …

PS: Wer sich in diesem Beitrag verallgemeinert fühlt, möge meine aufrichtige Entschuldigung akzeptieren und mir das Gegenteil beweisen..