Mehr Content

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Content. Ein nettes Wort. Englisch übrigens. Nicht zu verwechseln mit dem italienischen ‘contento – zufrieden.

Content steht für Inhalt und somit in nahem Sinnzusammenhang mit ‘contento’. Denn Inhalt soll zufriedenstellen. Lust auf mehr machen. Informieren ohne zu langweilen. Trotzdem haben die Italiener recht, wenn sie dem überwiegenden Anteil von Content heutzutage ein non-contento voranstellen. Denn Content soll nicht nur informieren, sondern auch erfreuen.

Unerfreulicherweise sind die Mehrzahl aller Medienmitteilungen und Kurznachrichten non-contento. Noch schlimmer steht es um Twitter-Nachrichten. Ich kenne eine Vielzahl Tweets, deren Inhalt bei aller Kürze nicht einmal irgendeinen Sinn macht. Geschweige denn informiert. Oder gar erfreut.

Was – so fragt man sich – bezwecken Medien, Blogger oder Twitterer mit ihren seelenlosen Nachrichten, mit Worthülsen ohne tieferen Sinn? Was genau ist die ‘Message’?

Hier geraten wir an ein weiteres anglophiles Wort. Message, die Botschaft. Die Message hat im eigentlichen Sinn nichts gemein mit dem Wort ‘Messie’, obgleich der Wortstamm ähnlich klingt. Genauer betrachtet bilden jedoch auch diese Worte eine sinnliche Brücke. Die Informationsfragmente, gemeinhin Artikel, Blogs oder Tweets genannt, haben in ihrer Sinnhaftigkeit viel mit dem Messie-Syndrom gemein. Ein wirres Durcheinander angesammelter Worte ohne ernsthaften Zusammenhang, gekleidet in ein pseudomodernes Gewand. Nichts, wessen man Zeit opfern müsste und doch alles, was unser Leben bewegt.

Als ich letztens mit einem Bekannten im Café saß, zückte dieser plötzlich sein Smartphone und entschuldigte sich mit: …ähm, sorry, muss mal eben … und hämmerte einige Worte in seinen Kommunikator.

Ich stand auf und ging. Zu wenig Content, zu viel Pseudo.

Seid Ihr contento?

Schneegefühle jetzt auch als Paperback

Schneegefühle

Mal wieder etwas in eigener Sache:

Mein Debüt ‘Schneegefühle’ ist jetzt auf Amazon.de auch als Paperback erhältlich. Ja genau, ein richtiges Buch. So zum Anfassen und blättern. Und natürlich zum Lesen.

Für alle, die sich mit eBooks noch nicht so richtig anfreunden konnten geht’s hier zum Link: http://www.amazon.de/Schneegef%C3%BChle-Carsten-Rauin/dp/3952398829

Freie Platzwahl

Freie Platzwahl

Es gibt Tage, an denen mag man sich nicht entscheiden. Weder für wettertechnisch korrekte Kleidung, noch für oder gegen Meinungen oder Mutmaßungen. Man fühlt sich wie immun gegen die Bürde, sich festlegen zu müssen.

Diese Stimmung scheint dieses WC zu konterkarieren, zufällig gefunden in einem Restaurant, das in einer früheren Giesserei residiert. Hier kann man wahlweise sitzen oder sitzen, muss sich aber zuvor über die Art der Sitzung entscheiden. Da macht es durchaus Sinn, technische Überlegungen voranzustellen und nicht etwa die Farbe der Sitzgelegenheit zu präferieren.

Andererseits gilt es in diesem Fall direkt mehrere Faktoren zu berücksichtigen:

  1. Farbe spiegelt Emotionen: Wissenschaftler raten zur Wahl einer Farbe adäquat der Gemütsstimmung. Das wirke erhellend, heiter und vertreibe Depressionen.
  2. Funktion schlägt Design: Pragmatiker raten zum Bauchgefühl
  3. Logik vs. Gemüt: Man lasse sich besser nicht hinreißen, will man Entscheidungen im Nachhinein nicht bereuen.

Auch muss man das nicht politisch betrachten, denn der rote Armlehnstuhl wird von einer stabilen schwarzen Basis getragen, was ja in dieser Form im Alltagsgeschehen undenkbar wäre.

Bleibt die Wahl des Platzes, dessen Benutzung je nach Stimmung oder Verstimmung (z.B. des Magens) mal freier, mal weniger frei ist.

Ganz wie im richtigen Leben, nicht wahr?

Liebes Wunder …

Liebes Wunder ...

Projekte brauchen Vorbereitung. Dieser einfache Satz ist glasklar und verständlich. Umso fragwürdiger, warum Projekte vorbereitet in die Prozessphase gehen und dennoch stocken. Oder zumindest nicht rund laufen. Oder gar nicht laufen.

Gute Vorbereitung ist die halbe Miete. Dieser altehrwürdige Satz stammt noch aus Zeiten, in denen Wunder spärlich erschienen. Da sagte man: ‘jetzt kann nur noch ein Wunder helfen’, wenn man nicht nur mit Rat, sondern total am Ende war.

Heute wundert man sich, wenn es sich nicht automatisch einstellt. Schließlich wurde doch vorbereitet, da kann man das rettende Wunder doch wohl erwarten. Oder? ODER???

Stellt sich die Frage, warum gute Vorbereitung in unseren modernen Zeiten alleine nicht mehr ausreicht. Sind wir zu schnell? Ist die Kommunikation ausreichend? Kommunizieren wir zu wenig / zu viel / zu falsch? Oder überfordern uns iPad / Smartphone / eMails / SMS / Notizen / Briefings?

Es drängt sich der Gedanke auf, wir könnten gar zu langsam sein, mit der Moderne nicht mehr Schritt halten, das Tempo nicht mehr mitgehen. Ist der Mensch vielleicht gar nicht auf dieses hohe Informationstempo eingerichtet? Sind wir letzten Endes ein Auslaufmodel, ersetzbar durch Bits & Bytes?

Kann sein. In irgendeinem schlimmen Worst-Case-Szenario. Möglicherweise aber auch nicht, wenn wir uns auf unsere Stärken besinnen und uns nicht von hirnloser Elektronik manipulieren lassen. Es besteht Hoffnung, auch wenn diese zuletzt stirbt.

PS: Dieser Artikel wurde nicht vorbereitet. Wundert euch also nicht!

Unerkannt verzogen

Unerkannt verzogen

Heute musste ich mein Büro innerhalb des Hauses umziehen. Raus aus dem schönen sonnigen Raum, in dem ich meine letzten beiden Romane schrieb, rein in die kleine, dunklere Ecke irgendwo auf der 1. Etage. Tage, bevor ich schon überhaupt nur den Stuhl hinübergeschoben habe, fing ich an zu trauern.

Vielleicht sind nicht jedem Leser die Marotten kreativer Menschen bewusst, deshalb sei gesagt, dass ein Maler nicht überall malen kann, ein Schriftsteller nicht überall schreiben. Das mag den einen oder anderen verwundern und manch Kreativer mag darüber müde lächeln, doch mir geht’s halt so. Ich habe schon an Orten gesessen, wo nicht’s lief. Kein bisschen. Ob das jetzt mit Feng Shui zu tun hat, mit Wasseradern oder lediglich mit einer psychischen Abneigung gegenüber einem Ort, sei dahingestellt. Jedenfalls brauche ich eine gewisse Harmonie und Ruhe, die sich an guten Orten zwischen Raum und Möbeln einstellt.

Von der kleinen, dunklen Ecke jedenfalls – so war ich überzeugt – konnte ich nichts erwarten. Absolut nichts. Punkt! Es kann einfach nicht sein, das sich auf weniger als zwei Quadratmetern Kreativität entfalten lässt. Unmöglich!

Nach schweißtreibendem Hin- und Hergerücke sitze ich gerade mal fünf Minuten an meinem neuen Platz, blicke aus den eigentlich doch recht großen Fenstern hinaus ins Grüne, hinter mir ein Regal als Raumtrenner, und bin angenehm überrascht, wie sich Zeile an Zeile fügt, Gedanken formen und die erwartete Lähmung ausbleibt. Ich fühle mich von Minute zu Minute wohler, entspanne von einem zuvor beklemmenden Gefühl und finde, Kreativität entfaltet sich dort, wo man aus dem Fenster ins Grüne blickt.

Ich bin heute unerkannt verzogen, die Familie hat’s fast nicht gemerkt. Hoffentlich vergessen sie mich nicht. Hat auch noch keiner zum Mittagessen gerufen. Ich glaub’, ich geh’ mal schnell nachschauen …

Soziale Wärme

Zürich ist gewiss eine reizvolle Stadt. Was immer man über diese Stadt liest, es stimmt. Irgendwie.

Schön und romantisch. Aber auch ein wenig langweilig. Nicht zu groß. Aber groß genug. Geschäftig, Kulturell, Gastronomisch, Reich. Aber auch sehr eigensinnig. Rücksichtslos. Unnachgiebig.

Sie wirbt in stetem Vergleich mit anderen Metropolen dieser Welt mit Wohlstand, Komfort, Sicherheit und Beständigkeit. Aber gerade die Beständigkeit ist in zunehmendem Maße beängstigend.

Doch, doch, es entwickelt sich, keine Frage. Es wird gebaut, was das Zeug hält. Abgerissen und modernisiert, restauriert und saniert. Baustellen ärgern unser Auge allerorten, die Verkehrsbeschränkungen und -umleitungen machen das Autofahren zur Geduldsprobe. Man könnte stundenlang über städtische Defizite referieren.

Was also macht eine Stadt wirklich aus? Sind es die beschränkten Parkplätze, die uns zu anarchischem Parkverhalten zwingen (s. Foto)? Sind es steigende Mietpreise, die viele Menschen nicht mehr bezahlen können oder wollen? Oder sind es letztendlich die Menschen selbst, die sich in der sozialen Kälte nicht mehr wohl fühlen?

Gestern hatte ich ein kleines Parkplatzproblem zu lösen. Reservierte Plätze waren ausnahmslos zugeparkt. Ich betrat nacheinander ein libanesisches Take away und ein mazedonisches Internetcafé, sprach freundlich mit den Besitzern, lachte sie an und meinte sinngemäß, sie mögen ihre Karren doch woanders hinstellen.

Und was erhielt ich als Antwort: Hey, kein Problem, Mann. Fahr ich weg. Sicher! —– Und er tat es.

Was resümiere ich daraus?

1. Freundlichkeit und Verständnis zahlen sich aus.

2. Ich erlebe derzeit viel mehr Zuvorkommenheit und Freundlichkeit von Ausländern, als von der Schweizer Bevölkerung.

Der Wert einer Stadt ermisst sich nicht nur aus ihrem architektonischen Zustand oder dem Mietpegel. Viel mehr Bedeutung hat die soziale Wärme.

Und die muss man sich erarbeiten!

Eingerahmt

Eingerahmt

Eingerahmt!

So fühle ich mich derzeit. Wenn die Kreativität sich dem Nullpunkt nähert, wenn wegen maximaler Arbeitsbelastung nichts Sinn bringendes übrig bleibt, wenn Widersprüche und Widersacher die Logik unterlaufen und der eigene Motor nur noch auf Reaktion statt Aktion arbeitet, dann kann ich verstehen, warum sich die politische Welt so schleppend bewegt, sich gleichsam windet, wie die berühmten Schlangen der Medusa.

So viele Meinungen, so viele Ansichten. Und was mich überrascht: ein Jeder weiß es besser. Viel besser! Ich lese jeden Tag über so viele ‘Besser-Wisser’, dass ich mich frage, warum die Welt so kompliziert ist, wo doch alle alles besser können.

Manchmal ertappe ich mich dabei, argwöhnisch auf diese Menschen zu blicken und zu fürchten, die Besserwisserei sei nur ein Tarnanzug, eine Maske, unter der sich bedauernswerte Kreaturen bewegen, die sich in unserer vielfältigen Welt auch nicht mehr zurechtfinden. Was ich durchaus verstünde. Doch dann denke ich an all die Doktortitel, die jahrelangen Studien, die zahlreichen Wirtschaftsökonomen, Wissenschaftler und Juristen, die Sachverständigen, die Wirtschaftsweisen.

Nein, so viele verständige Menschen können nicht irren. Die wissen, was sie tun. Dafür werden sie schließlich bezahlt und dessen sind sie sich bewusst. Kein Irrtum möglich!

Ich bin reichlich froh, in einer Welt zu leben, in der wir tatkräftige Unterstützung von Menschen erfahren, die ihr geballtes Wissen und Intelligenz darauf verwenden, unser Leben zu bereichern und zu verbessern. Auch wenn wir das nicht immer merken.

Also konzentriere ich mich auf meinen eigenen Mikrokosmos, auf meine winzigen Problemchen, die nie aufhören und immer mehr zu werden scheinen. Und lasse die ihren Job machen, die etwas davon verstehen. Die-da-oben.

Die werden das schon richten. Ganz bestimmt!