Camouflage

Camouflage

Habe kürzlich diesen Baum entdeckt. Militant! Mein erster Eindruck. Doch dann die Frage: ein Baum im Tarnanzug?

Tarnt sich dieser Baum im urbanen Dschungel, um sich vor den Gefahren einer weiteren ‘Betonisierung’ zu schützen? Oder nutzt er seine Tarnung, um unbemerkt dem Treiben vor seinen Füßen zu folgen?

Parallelen kommen auf. Europa im Tarnanzug. Camouflage, wohin man sieht. Wir degradieren uns zum Beobachter. Zum Voyeur. Zum Statisten. Gut getarnt, unsichtbar, nicht wahrgenommen. Wir lassen uns in der Zeit treiben, betrachten gelassen vorbeiziehende politische und soziale Unwetter, zucken unwissend mit den Schultern und ruhen uns auf unseren tiefen Wurzeln kultureller Geschichte aus.

Warum auch sollten wir uns einmischen? Ein Baum mischt sich auch nicht ein. Wir stehen abseits und warten. Irgendwann ist das Gewitter vorbei, die Sonne kommt hervor, wir sind glücklich.

Was während des Unwetters passiert? Hagelschlag? Blitzeinschläge? Sturmschäden? Nehmen wir nicht wichtig. Gab es schon immer. Wir sind ja versichert.

Und außerdem, was kümmern uns die anderen. Genießen wir lieber die Wut in unserem Bauch, die Lust zur Demontage, zur Katastrophe.

Wir sind Zuschauer, ergötzen uns in unserem grün-melangen Tarnanzug am Leid. Voyeurismus, ein Volk in Selbstaufgabe. Wir danken den Menschen, die uns Verantwortung abnehmen. Uns nicht vor Entscheidungen stellen. Und wenn, dann mit Alternativen, die uns zusagen. Wir fühlen uns wohl vor dem Bildschirm der Irrealität. Nur nicht zu nah ran. Die Distanz wahren. Dann bleiben wir verschont. Was soll schon geschehen?

Wir lieben Camouflage.

Denkmalschutz

Denkmalschutz

Denk mal! Schutz!!

Der etwas irreführende Artikelheader bringt uns zu dem weitreichenden Problem des Besitztumaustauschs. Dieser soeben kreierte Begriff als Synonym für unbeabsichtigtes Abhandenkommen rechtmäßig angeeigneten Eigentums spiegelt die Tatsachen in unseren Landen.

Eigentum als Allgemeingut. Die Forderungen nach gemeinfreier Ware aller Art stößt vor allem bei Kreativen auf Widerspruch. Wieso eigentlich, fragt sich so mancher? Etwa, weil Künstler aus Kunst Profit schlagen wollen? Also wirklich! Dabei weiß man doch, das Künstler Lebemenschen sind, die Zigarette im Mundwinkel, ein gelassenes Grinsen und eine ewig goldene Null auf dem Bankkonto. Ein Künstler lebt für seine Arbeit. Wieso soll er dann noch VON seiner Arbeit leben dürfen?

Andererseits: bei steigendem Diebstahl sinkt der Wunsch nach Neuanschaffungen, wie das Titelbild eindrücklich demonstriert. Man bleibt beim Bewährtem, dem Original, dem Alten, dem, was niemanden wirklich interessiert. Gut für die Umwelt, schlecht für’s Geschäft, ganz mies für den Unterhaltungswert.

Wollen wir demnächst nur noch Klassiker lesen, Wiederholungen im Fernsehen, die ewig gleichen Bilder an der Wand und altbekanntes Gedudel aus dem Radio? Wunderbar. Geben wir Eigentum als Allgemeingut frei. Soll sich doch bedienen, wer will!

In diesem Sinne: Denk mal!

Mobbing für Faule

Habe letztens diesen wunderschönen Hocker in einer knuffigen Schreinerei gefunden.

Der sieht nicht nur toll antik aus (was daran liegt, dass er es ist), sondern bietet für mobbingmüde Mitarbeiter aller Art entsprechende Vorteile:

  1. Der Hocker hat an jeder Seite eine Griffmulde, so dass man ihn seinem Vorgesetzten aus praktisch jeder Perspektive unterm Hintern wegziehen kann. Kein Zwang mehr, erst drumherum zu laufen und nach der besten Position suchen zu müssen.
  2. Er verfügt nur über drei Beine, so dass man nicht so viel sägen muss.
  3. Er ist schon alt und zerfällt (mit ein wenig Glück) bald zu Holzmehl.

Wie bringt man aber seinem Chef dazu, sich für diese asketische Sitzgelegenheit zu erwärmen? Nun, ganz einfach. Auch hier folgende Argumentationspunkte:

  1. Holz ist CO2 – neutral und damit ein Beitrag zum Umweltschutz.
  2. Durch die vielen Handmulden kann man ihn beim Umziehen in ein größeres (!) Büro einfacher transportieren.
  3. Er verfügt über drei stabile Beine, mit denen man sich herrlich unbeschwert zurücklehnen kann (viel einfacher, als bei diesen neumodischen Drehstühlen, die mit fünf Auslegern diese Entspannung verunmöglichen).
  4. Auf diesem antiken Hocker sieht man immer jung aus – wichtigstes Argument für Cheffinnen!!

Freuen wir uns über ein neues Gesprächsthema im Büro, das ausnahmslos Jeden begeistern dürfte.

PS: Dieser Hocker ist:

  1. vererbbar
  2. als Waffe zu gebrauchen
  3. durch mehrfaches Hinzufügen der jeweiligen Initialen einfach und schnell als persönliches Eigentum zu kennzeichnen

Das war er also …

… der Urlaub. Kurz und gut, er ist vorbei.

Aber nein, aber nein, höre ich mein Innerstes. Du zehrst davon, und zwar recht lange. Meint es. Ich bin da nicht so sicher. Aber immer schön der Reihe nach.

Das war er also-1

Okay, die Bilder prägen. Dieser Schnappschuss gelang, kurz bevor mein Sitznachbar sein Essen entgegennahm und beim Öffnen des Wassers eine kleine Fontäne auf meine Hose verspritzte. Ich nahm es gelassen, hatte ich doch eine Zweite mit. Die lag zwar einige Meter unter mir im Gepäckraum sicher verschlossen, aber naja. Ich würde mit dem Toilettengang eben warten, bis der Fleck an ungünstigster Stelle getrocknet war. Immerhin gelang uns ein unterhaltsames Gespräch, in dessen Verlauf ich wahrlich reichhaltige Ratschläge erhielt. Der Wasserspritzer war ein Einheimischer. Genauer: ein Hongkong-Chinese. Das alleine musste nichts bedeuten, machte ich mir weis. Doch er ließ an meinem ersten Urlaubsziel kein gutes Wort. Laut – unzivilisiert – übervölkert – und, sagte ich es schon? Laut. In Hongkong schnattern die Menschen in der U-Bahn gedankenlos vor sich hin. Nicht weil sie etwa nicht ruhig vor sich hin sinnieren können. Gedanken haben in der Kakophonie einfach keinen Platz!

Ich bewundere die Menschen dort jedenfalls sehr. Sie sind durchaus zivilisiert, benehmen sich einigermaßen, bei einer Bevölkerungsdichte, die die der Toilette einer Stammkneipe in der Halbzeitpause eines Champion-League-Endspiels entspricht. Und gehen immer schön rechts. Auch auf die Toilette. Sie bauen Wolkenkratzer mit Bambusgerüsten, kaufen komische Sachen in komischen Läden, lächeln wenig (aber das kommt, weil sie so kommunikativ sind) und sind uns technisch um Lichtjahre voraus.

Technische Hilfe gebraucht? Rufen Sie 00852-89-732363.

Das war er also-2

Nun ja. Aber sie sind sehr geschäftstüchtig.

Das war er also-3

Das Bild habe ich auf einem Markt geschossen. 100% NO FAKE! Als cleverer Ausländer weiß ich aber, das man den Preis um ca. 50% herunterhandeln soll. Womit ich bei zwei bezahlten und einer erhaltenen Tasche wiederum nur den Preis EINER Tasche bezahlt habe. Praktisch, nicht?

Wunderschön auch die witzigen Shops, in denen man Süßigkeiten aller Art erstehen kann. Ich konnte nicht widerstehen und erstand. Und nein, ich musste nicht vier bezahlen (die ich aber auf zwei heruntergehandelt hätte), um zwei zu bekommen.

Das war er also-4

Und stellt euch vor, wie überrascht ich zum Schluss war, als ich den Becher fast leer gelöffelt hatte. Der weiße Hai höchstpersönlich. Okay, von oben war er blau, aber das ist er ja im Wasser immer, oder?

Das war er also-5

Aber weiter im Text. Wir haben ja nicht den ganzen Tag Zeit, gell? Nach dem Lauten, dem Technischen und dem Süßen begab ich mich auf eine kleine Insel im Golf von Thailand. Beschaulich, urtümlich, ruhig. Das waren die Attribute, die ich zu erwarten hoffte. Und dann das:

Das war er-6

Sieht gut aus, nicht? Hatte ich euch ja versprochen. Was ihr nicht wisst: Für diese Aufnahme nutzte ich ein Zeitfenster von ungefähr zwei Sekunden (2 sec.!) und brauchte ca. 10 Minuten. Dazwischen Lärm, Technisches und Süßes (jaja, auch Mädels ;) ). Aber gleich so viele Menschen auf meiner unberührten Insel wären auch nicht nötig gewesen.

An dieser Stelle muss ich aber mal eine Lanze für die russischen Touristen brechen: so schlimm seid ihr gar nicht! Und ihr wart auch gar nicht so viele. Nur knapp 3/4 der Inselpopulation und dazu so nett weiß. Oder rot. Je nachdem, ob ihr gerade erst ankamt oder schon einen Tag in der Sonne geschlafen hattet. Gott sei Dank sah man das spät abends auch nicht mehr so. Wegen des günstigen Lichts.

Das war er also-7

Also, gut erholt habe ich mich jedenfalls. Ich habe gefühlte 170 Bücher gelesen und mich dabei ganz toll entspannt, nur ganz leichte Rückenschmerzen vom tagelangen Liegen, wunde Füße vom Shoppen und (nicht gefühlte) 4 Kilo mehr Gewicht. Nein, nicht im Koffer. Am Bauch.

Lediglich die letzte Aufnahme brachte mir einen satten Sonnenbrand ein. Ihr wisst schon: das Zeitfenster!

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